Lean Management: sportlich bleiben statt magersüchtig werden!

Das Bewusstsein für Kostenoptimierung bei Schweizer Unternehmen hat sich seit Beginn des Wirtschaftseinbruchs von 2008 zugenommen. Somit ist der Begriff Lean Management und alle abgewandelten Begriffe wie Lean Production, Lean Administration oder Lean Development, sowie die Themen KVP und Kaizen in aller Munde. Seit ca. 2004 implementieren Unternehmen in der Schweiz systematisch Lean Management. Einzelne Initiativen wie Kanban, Pareto-Tisch oder Just-In-Time-Anlieferungen führen bis in die 80er-Jahre zurück, zum Teil mit guten Erfolgen aber auch mit Misserfolgen. Neu seit der Jahrtausendwende ist das ganzheitliche Verständnis bei der Lean Management Einführung. Viele sehen die Initiative nicht als einmaliges Projekt und Summe aller Verbesserungsaktivitäten, wie 5S, Schnellrüsten usw., sondern als System und Philosophie, wie durch das Verhalten aller Mitarbeiter die Prozesse entlang der Wertschöpfungskette im Sinne des Kunden ständig verbessert werden kann. Nehmen wir zum Vergleich einen Hobbysportler, der über die Jahre hinweg Sport als Ausgleich zum Alltag betreibt und sich so gut im Schuss gehalten hat. Mit der Zeit nahmen die Verantwortungen im privaten und beruflichen Bereich zu und die Zeit für sportliche Aktivitäten ab. Das zunehmende Alter verzeiht den kleinen süssen Sünden immer weniger. Allmählich hat sich ein kleiner Speckgürtel um die Hüfte gebildet, der Body Mass Index (BMI) liegt aber noch bei 25. Kennen Sie den Vergleich in Unternehmen? Man ist sich bewusst, dass sich durch die Gewohnheiten während vieler Jahren Verschwendungen angesammelt haben, aber der Druck zur Verbesserung war zu gering, um daran etwas zu ändern. Durch die Wirtschaftskrise und den harten Schweizer Franken ist dieser Druck bei den Unternehmen markant angestiegen. Manche Leser mögen nun einwenden, dass doch die Schweiz im neuesten Global Competitiveness Report 2012-2013 des World Economic Forums bereits zum vierten Mal hintereinander den ersten Platz belegt und somit das wettbewerbsfähigste Land weltweit ist! So schlecht können wir doch nicht sein! Das mag sein, aber es ist nur eine Kehrseite der Medaille. Tatsächlich ist die Schweiz Weltklasse, wenn es um neue Innovationen geht. Die Unternehmen mit Standort Schweiz müssen aber auch Geld verdienen. Ob eine Wertschöpfung im Ausland oder im Hochlohnland Schweiz ausgeführt wird, hängt nicht nur vom Know-how der Mitarbeiter ab, sondern auch von den Herstellkosten. Und da stehen sie im gleichen Wettbewerb wie alle Unternehmen. Wenn der Hobby-Sportler am New Yorker Marathon teilnimmt, spielt für den Wettbewerb nur die Altersklasse eine Rolle, nicht aber die Herkunft. Möchte sich der Hobbysportler mit seinesgleichen messen, sollte er die gleiche Gewichtklasse wie seine Konkurrenten haben, also abnehmen. Nun schliesst sich der Bogen wieder zu Lean Management. Lean steht im Englischen für schlank. Aber was heisst das genau? Wie beim idealen Body Mass Index gehen auch hier die Meinungen auseinander. Stellt man die Frage in die Runde, lauten die Antworten wie folgt: „…Effizienzsteigerung und Standardisierung durch kontinuierliche Verbesserungsprozesse…“, „…die Verfolgung von Pull-Prinzipien, v.a. durch die Anwendung von Just-In-Time-Anlieferung…“, „…Kundenorientierung, Qualitätsorientierung und Kostensenkung…“, „…der Mensch steht im Mittelpunkt…“ u.a. Dieselbe Frage wurde auch Taiichi Ohno, Begründer des Toyota Production Systems (TPS), in den 80er-Jahren gestellt. Seine Antwort ist im wahrsten Sinne lean: „Produziere nur, was der Kunde fordert!“ Der Begriff „lean“ ist durch die Professoren Womack und Jones bei der berühmten MIT-Studie entstanden. Sie haben diesen Begriff gewählt, um das Toyota Production System besser zu beschreiben. In ihrem Sinne heisst lean verschwendungsarm. Hier liegt eines der grossen Missverständnisse für den Begriff Lean Management. Womack und Jones beziehen das Wort verschwendungsarm auf die Prozesse. Die Definition, was Verschwendung in den Prozessen darstellt, sagt der Kunde. In diesem Sinne lässt sich lean nicht mit Abbau von Mitarbeitern, der Einführung von Pull-Prinzipien oder das Aufräumen am Arbeitsplatz beschreiben. Taiichi Ohno kannte das Wort „Lean“ gar nicht. Zurück zu unserem Hobbysportler, der den Marathon bestreiten will. Er braucht nicht nur lean oder schlank zu sein, um erfolgreich zu sein. Sondern er sollte alle Verschwendungsformen, die ihn für eine gute Leistung am Marathon behindern, eliminieren. Verschwendungsformen für ihn stellen auch schlechte Ernährung und ungenügende, mentale Bereitschaft für diesen Wettbewerb dar. Diese lässt sich aber für einen Anlass im Leben nur ungenügend erfolgreich umstellen. Eine nachhaltige Lean Transformation im Sinne des TPS könnte für den Hobbysportler folgendermassen aussehen. Neben den regelmässigen Ausdauer- und Krafttrainingsübungen wird sukzessive die Ernährung auf vollwertige Nahrung umgestellt, sowie die mentale positive Einstellung für das Laufen trainiert. Die Basis für den nachhaltigen Erfolg stellt die Verhaltensveränderung des Sportlers dar, und weniger das Intensivprogramm vor dem Wettkampf. Dies lässt sich auch auf die Einführung von Lean Management in Unternehmen übertagen. Selbstverständlich helfen kurzfristig „Fitnessprogramme“ die Kosten zu senken. Die Einsparungen werden aber nur von kurzer Dauer sein, wenn es nicht gelingt die Einstellung und das Verhalten aller Mitarbeiter im Sinne der kontinuierlichen Verbesserung zu verändern. Unternehmen, die Lean Management erfolgreich eingeführt haben, veränderten die Verhaltens und Denkmuster in der Firma. Der Fokus liegt nicht im aktuellen Body Mass Index, sondern auf der schnellen Reaktion, wenn der Sportler sich wieder eine Ernährungssünde leistet oder er mit den Gedanken und der mentalen Bereitschaft vom Kurs abkommt. Stimmen das Verhalten und die mentale Bereitschaft im Sinne des Wettbewerbs, ist der gute Body Mass Index die logische Schlussfolgerung. Wie im täglichen Leben haben die Unternehmen, die sich mit Lean Management beschäftigen, nicht ein Wissensproblem, sondern ein Umsetzungsproblem! Der Schlüssel, um langfristig schlank zu bleiben, ist nicht eine einmalige Diät mit Jojo-Effekt. Sondern ein Verhalten, das wenige bis gar keine überschüssigen Verschwendungsformen schon gar nicht zulässt! Taiichi Ohno hat seit seinem Beginn bei Toyota in den 50igern-Jahren dieses Ziel nie aus den Augen verloren und es nahe der Perfektion umgesetzt. Bleiben Sie sportlich!

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